Die deutsche Sprache ist reich an bildhaften Redewendungen und Sprichwörtern. Wir benutzen sie täglich ganz selbstverständlich: Wir schieben etwas auf die lange Bank, treten ungeschickt in ein Fettnäpfchen, verlangen Butter bei die Fische oder haben Schwein gehabt.
Doch woher stammen diese Redensarten eigentlich? Die meisten unserer heutigen Redewendungen haben ihren Ursprung im Mittelalter, im Handwerk vergangener Jahrhunderte, in der Seefahrt oder im Gerichtswesen.
In dieser vergnüglichen Entdeckungsreise lüften wir die historischen Geheimnisse hinter 8 der bekanntesten deutschen Redensarten.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Sprichwörter ein faszinierendes Kulturgut sind
- 8 bekannte Redewendungen und ihre historische Bedeutung
- Sprichwörter als spielerisches Gedächtnistraining
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Warum Sprichwörter ein faszinierendes Kulturgut sind
Sprichwörter sind gespeicherte Lebenserfahrung vergangener Generationen. Sie dienten früher dazu, Moral, Verhaltensregeln und Bauernweisheiten in einprägsamen Reimen von den Älteren an die Jüngeren weiterzugeben – oft zu Zeiten, als viele Menschen noch weder lesen noch schreiben konnten.
Das Rätseln über die Herkunft von Begriffen regt das Sprachzentrum im Gehirn an und ist ein hervorragendes mentales Training für zwischendurch.
2. 8 bekannte Redewendungen und ihre historische Bedeutung
| Redewendung | Heutige Bedeutung | Historischer Ursprung |
|---|---|---|
| „Auf die lange Bank schieben“ | Eine Entscheidung aufschieben | Unbearbeitete Gerichtsakten in langen Bänken |
| „Ins Fettnäpfchen treten“ | Ein peinliches Missgeschick | Schmalznapf für Lederstiefel auf Bauernböden |
| „Den Faden verlieren“ | In der Rede stocken | Ariadnefaden im antiken Labyrinth |
| „Schwein gehabt“ | Glück im Unglück haben | Trostpreis-Ferkel bei Schützenfesten |
| „Butter bei die Fische“ | Klartext reden / zur Sache kommen | Fisch buttert man erst unmittelbar vor dem Verzehr |
| „Alles in Butter“ | Alles in bester Ordnung | Bruchsicherer Transport von Gläsern in Butterfässern |
1. „Etwas auf die lange Bank schieben“ (Etwas aufschieben)
- Herkunft: Im mittelalterlichen Gerichtswesen gab es noch keine Aktenschränke. Die Akten laufender Prozesse wurden in hölzernen Truhenbänken aufbewahrt. Wurde ein Fall nicht sofort verhandelt, schob der Gerichtsschreiber die Akte ganz nach hinten in eine besonders lange Bank – dort lag sie oft jahrelang vergessen.
2. „Ins Fettnäpfchen treten“ (Ein peinliches Missgeschick begehen)
- Herkunft: In alten Bauernhäusern stand neben dem Kaminofen immer ein kleiner Napf mit ausgelassenem Fett, um nasse Lederstiefel einzufetten. Trat ein unaufmerksamer Gast versehentlich in diesen Fettnapf, gab es hässliche Fettflecken auf dem frisch gescheuerten Dielenboden und die Hausherrin war verärgert.
3. „Den Faden verlieren“ (In der Rede stocken)
- Herkunft: Geht auf die antike griechische Sage von Theseus und dem Ungeheuer Minotaurus zurück. Prinzessin Ariadne gab Theseus ein Wollknäuel mit in das unübersichtliche Labyrinth (Ariadnefaden), damit er den Rückweg fand. Wer den Faden verlor, war im Labyrinth gefangen.
4. „Schwein gehabt“ (Glück im Unglück haben)
- Herkunft: Bei mittelalterlichen Schützenfesten und Ritterturnieren bekam der Schlechteste, der alle Ziele verfehlte, als Spottpreis ein lebendes Ferkel überreicht. Er wurde zwar ausgelacht, hatte aber am Ende dennoch kostenlos ein wertvolles Schwein im Stall.
5. „Butter bei die Fische geben“ (Zur Sache kommen / Klartext reden)
- Herkunft: Aus der norddeutschen Küche. Ein gebratener Fisch schmeckt erst mit zerlassener Butter richtig gut. Die Butter schmilzt jedoch schnell, daher wurde sie erst unmittelbar vor dem Servieren zugegeben – das Signal, dass nun endlich gegessen wird.
6. „Alles in Butter“ (Alles in bester Ordnung)
- Herkunft: Um wertvolles venezianisches Glas unbeschadet über die holprigen Alpen nach Deutschland zu transportieren, legten Händler die Gläser in Fässer und gossen flüssige Butter darüber. Nach dem Erstarren war das Glas stoßfest verpackt. Am Zielort wurde die Butter erwärmt und das Glas war heil – alles in Butter!
3. Sprichwörter als spielerisches Gedächtnistraining
Bekannte Redensarten eignen sich hervorragend für kurzweilige Wortspiele in geselliger Runde:
- Sprichwörter ergänzen: Ein Partner nennt den ersten Teil („Wer im Glashaus sitzt...“), der andere ergänzt („...sollte nicht mit Steinen werfen“).
- Verdrehte Sprichwörter: Zwei Redensarten lustig vermischen (z. B. „Morgenstund hat Scherben auf dem Dach“).
4. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einem Sprichwort und einer Redewendung?
Ein Sprichwort ist ein vollständiger, in sich abgeschlossener Satz mit einer Lebensweisheit (z. B. „Lügen haben kurze Beine“). Eine Redewendung ist ein bildhafter Teilsatz, der grammatikalisch in einen eigenen Satz eingebaut wird (z. B. „jemandem einen Bären aufbinden“).
Mehr dazu erfahren (Wikipedia-Wissen)
💡 Weiterführende Hintergrund-Artikel auf Wikipedia:
- Die Wissenschaft der Sprichwörter: Wikipedia: Parömiologie (Sprichwörterforschung)
- Die Faszination bildhafter Sprache: Wikipedia: Redewendung
- Die Herkunft von Redensarten: Wikipedia: Deutsche Sprichwörter
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